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Brief vom 15. Januar 2018

Da ich durchaus die Absicht habe, meine diplomatischen Beziehungen zu dir aufrecht zu halten, schreibe ich dir zur Sicherheit nochmals einen Brief. Ich erzähle dir eine Geschichte, die sich um 1983 im Norden, nahe Hamburg abgespielt hatte.

Wir wohnten damals außerhalb Hamburgs an der DDR-Grenze, in einer kleinen Gemeinde bei Büchen. Ich fuhr jeden Morgen von dort mit dem Zug nach Hamburg zur Arbeit. In Büchen stieg auch immer eine junge Frau ein. Viele Jahre später sollte sich zu meiner Überraschung herausstellen, dass sie meine Halbschwester ist, wir haben den Vater gemeinsam, sie gehört ebenfalls zur Halbenrain-Gruppe.
Irgendwann kamen wir halt ins Reden, neugierig waren wir beide. Es stellte sich dann heraus, dass wir beide gut miteinander konnten. Mit Herumalbern und gegenseitigen Erzählungen vergingen diese an und für sich langweiligen Fahrten stets wie im Fluge. Wir waren beide verheiratet und damit blieb es eine Beziehung an der Oberfläche, daher ohne ernstliche Beziehungsarbeit, für beide leicht zu handhaben.
Allerdings wusste ich damals noch nicht darum, wer im Hintergrund mitspielte. Beteiligt waren auf jeden Fall die linke Seite, die CIA und die Army. Ich war damals noch ahnungslos, die linke Seite hielt mich aus allem heraus und meldete sich auch nicht.

So lief das Ganze einige Zeit, wir verstanden uns prächtig und das hätte ruhig weitergehen können. Und dann kam der Schlag, überraschend und von brutaler Härte. Eines Morgens erschien sie im Zug, blass und übernächtig und sie erklärte mir mit dünner Stimme, dass nun alles vorbei sei. Eine Begründung gab sie mir nicht, durfte und konnte sie nicht und ich stand da wie ein ahnungsloser Prophet im Wüstensturm. Danach tauchte sie auch nicht mehr auf, nachfassen wollte ich doch nicht und schlussendlich löste sich alles auf wie Rauch im Wind.

Die Amerikaner bei Army und Company halten ihre rechten Vasallen strikt dazu an, mit der linken Seite nicht zu reden. Dazu gibt es zwei Ausnahmen. Entweder lässt sich das zum Beispiel aus beruflichen Gründen nicht vermeiden oder die Amerikaner wünschen den Kontakt, weil sie etwas erreichen wollen.
Es wird wohl letzteres der Fall gewesen sein. Man hatte damals versucht, mich über die Ehefrau eines Arbeitskollegen mit einer bestimmten Bank in Hamburg in Verbindung zu bringen. Das aber war gescheitert, eigentlich aus meiner Ahnungslosigkeit heraus. Und über die hübsche Mitfahrerin im Zug versuchten die Amerikaner das wohl nochmals, nur auch beim zweiten Mal ohne Erfolg. Heute vermute ich, dass sich bei diesem zweiten Anlauf die linke Seite dazwischen gedrängt hatte.

So schätzten die Amerikaner eine Fortsetzung der gemeinsamen Zugfahrten als aussichtslos ein und gaben ein Stopp-Signal aus. Die Gefährtin aus dem Zug war eine rechte Polizistin und gehorchte daher bedingungslos. Dass es rechte Polizisten gibt, wusste ich damals auch noch nicht. Die Angelegenheit war damit zu Ende, zwei Jahre später verließen wir die Gegend und zogen nach Augsburg. Das geschah übrigens auch auf Betreiben der Amerikaner und die hatten sich hinter meiner Frau und ihrem Bruder versteckt. Heute muss ich davon ausgehen, dass ich in Hamburg nicht auf Pummel treffen sollte.

Es ist aber so, dass mir ein Kardinalfehler dieser Art nur einmal passieren sollte. Und ganz sicherlich mit dir nicht noch einmal. Wenn ich mir den für dich zuständigen Amerikaner in der hellbraunen Lederjacke anschaue, dann halte ich seine Bezeichnung als brutaler Hund noch für stark untertrieben. Er kuscht allein deshalb, weil die linke Seite gerade damit beschäftigt ist, ihn zu zerreiben und zu zerbröseln. Und nach Russland mag er auch nicht. Ansonsten wäre mit ihm sicherlich nicht gut Kirschen essen. Leute wie dieser, durch und durch gewaltbereit, werden von uns als „Schakale“ bezeichnet. Die leben ausschließlich nach dem elften Gebot, nämlich sich nicht erwischen zu lassen.

Mit uns beiden sieht es nun so aus, als wären wir ein ähnlicher Fall wie damals zwischen Büchen und Hamburg. Was sie erreichen wollen, hatte ich gestern schon vermutet. Hinzu kommt noch, dass die Amerikaner mit den gesetzten Fristen kämpfen. Sie suchen nach irgendeinem Weg, um sich heraus zu winden. Das mag bei uns zweien auch eine Rolle spielen. Da aber auch hier die linke Seite munter mitmischt, ist abzusehen, dass die Amerikaner das Signal wieder auf „Stopp“ stellen werden. Dann wirst du nicht mehr erscheinen dürfen und sie werden dir jeglichen Kontakt zu mir strikt untersagen. Das hatte ich zu Weihnachten schon erwartet, allerdings habe ich den Eindruck, dass die linke Seite die Sache mit uns beiden an sich gezogen hat. Das wäre durchaus möglich, mit Bestimmtheit kann ich es aber auch nicht sagen.

Wie auch immer, wenn du nicht mehr auftauchen darfst, bleibt immer noch deine Auslieferung bestehen. Die wäre übrigens ein weiterer Grund für die Amerikaner, dich von der Bildfläche zu nehmen.
Ich könnte dich unter diesen Umständen aber weiterhin über die Briefe erreichen und den Auslieferungen werden sich die Amerikaner schließlich doch stellen müssen. Folglich ginge es nur noch um den Zeitraum dazwischen.

So bin ich dann neugierig auf die nächsten Sonntage.

Küsschen

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