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Brief vom 23. Oktober 2017

Der Parkplatz ein Rechtsauftrag, bei der Vorbeifahrt dein Wort in Gottes Ohr. Mittags dann in Feldbach ein deutsches Kennzeichen, man will auf der rechten Seite für den Status BI bis zum Umfallen kämpfen (M-AX 5 usw.).

Die anschließende Geschichte geht dann so. Im Café erscheint ein rechter Beamter, mir vom Sehen her gut bekannt. Aussehen tut er wie ein typischer Wiener Caféhaus-Schlurf, vom Typus Vorstadt-Strizzi. Man könnte meinen, man hat einen richtigen Berufs-Österreicher vor sich. Aber weit gefehlt, ein US Staatsangehöriger, getarnter Beamter der Company und hier im österreichischen Sicherheitsapparat in leitender Funktion. Österreichs Neutralität hatte ich mir eigentlich etwas anders vorgestellt.

Das reicht aber noch nicht, die Sicherheit war heute gut aufgelegt. Als nächster Auftritt ein stadtbekannter Immobilienmakler. Der wollte mir lange Zeit und stets mit treuherzigem Augenaufschlag eine Wohnung in Feldbach anbieten. Das Ganze vorgeblich im Linksauftrag. Das Haus meiner Alten hier hat es in sich, die Amerikaner bemühen sich mit Nachdruck, mich von hier wegzubekommen. Auch dieser Makler ein US Staatsbürger, Angehöriger der Army und hier vor Ort als scheinbar aufrechtes Steirerherz unterwegs.
Hier scheint es nur so von Amerikanern zu wimmeln. Ich frage mich allmählich, warum hier im Landstrich die Amtssprache Deutsch und nicht Englisch lautet.

Dann noch einmal zu den Fahrten um 17:08. Da die Nachtangriffe trotz einiger Rückschläge stetig ruhiger werden, spreche ich deine Auslieferung wieder an. Im Augenblick hängt sie, weil wir mit dieser gemeinsamen Zugfahrt und mit dem Reden nicht weiterkommen. Auch dabei werden die Amerikaner und die Rechte Polizei nachgeben müsse, es fragt sich nur wann.
Ich stelle daher doch einmal in den Raum, ob du das nicht von dir aus entscheiden willst, womit du dich natürlich gegen die rechte Seite stellen würdest. Nach unserem Gespräch würde die Sicherheit sofort dein Auslieferungsverfahren in Angriff nehmen, es ergäbe sich ein rascheres Fortkommen.

Dass es deswegen dir gegenüber zu Gewalttätigkeit kommen könnte, halte ich inzwischen für wenig wahrscheinlich. Theoretisch kann man es nicht ausschließen, aber die Sicherheit würde daraufhin ein Feuerwerk ohnegleichen veranstalten.

Es ist allerdings das Risiko zu bedenken, dass die Sicherheit deine Auslieferung unter Status LL anschließend nicht durchbekommt. Eine andere Auslieferungsform jedoch wird es von links her nicht geben. Fest steht aber, dass es mit oder ohne Anschubser von dir zu einem Auslieferungsverfahren kommen muss. Um eine formelle Zustimmung zu deinem Wechsel nach Linksland kommen weder Amerikaner noch rechte Beamte herum. Und das ist für dich nach wie vor die wichtigste Absicherung. Vielleicht ist es dir möglich, mit der Sicherheit Verbindung aufzunehmen. Sie kann sich dann dazu äußern.

Die Sicherheit hat vor einiger Zeit einen nicht allzu großen, festen Zeitrahmen für die Erledigung von Artikel 26 vorgegeben und diesem bisher auch nicht widersprochen. Auch das mag bei einer Entscheidung von dir eine Rolle spielen.

Mit mir gibt es dabei auch ein Problem. Seinerzeit in Ausgburg lief es so, dass die rechte Seite sich strikt gegen einen Wechsel nach Linksland überhaupt aussprach und das ähnlich wie hier lautstark verkündete. Mir war das völlig gleichgültig, ich war mit Wonne damit beschäftigt, im Schatten der linken Geschütztürme auf den rechten Polizisten herum zu treten. Die Frage nach einem Wechsel stellte sich dann gar nicht mehr, die waren nur noch damit beschäftigt, mich auf Distanz zu halten. Allerdings bewegte sich meine Angst in Grenzen. Ich war nie in größerem Maße oder auf lange Zeit den rechten Repressionsmaßnahmen ausgeliefert. Das ist eben der Unterschied zu all den anderen hier.
Die Sicherheit hatte aber in Augsburg dabei gelernt, dass mein Verhalten den Spieß umdrehte. Die rechte Seite und die Amerikaner wollten nicht mehr über meinen Marsch nach Linksland befinden, die wollten einfach nichts mehr mit mir zu tun haben. Endgültig Schluss war dann, als ich einen Angehörigen der Army mit einer Geldforderung mangelte und nervte. Da waren sie dann alle plötzlich verschwunden. Sie konnten mir danach zwar noch einiges anhängen, aber die Sicherheit draußen bügelte das alles wieder aus.

Bei dir hat die Sicherheit einen etwas anderen Weg gewählt. Inzwischen erleben die zuständigen Amerikaner und rechten Beamten wegen dir einen bunten, ständigen Alptraumstrauß aus Verschwinden, Schmerzen, Hunger und Schlafentzug. Zusätzlich aber wäre es für uns hilfreich, wenn du dich rühren würdest.

Es ist letztlich aber deine Entscheidung, wie sie auch ausfallen mag, man wird sie auf der linken Seite akzeptieren. Dein Vorgehen mag von deiner Lageeinschätzung abhängen. Und schon das ist für uns mehr als interessant.

Wohl bemerkt, es dreht sich dabei nur um diese einzige Zugfahrt mit einem Gesprächskontakt. Alles Weitere übernimmt dann wieder die Sicherheit. Nach diesem Brief hier würde es mich allerdings wundern, wenn ich dich morgen auf dem Parkplatz überhaupt zu sehen bekomme. Das hatte mich übrigens schon heute Früh etwas in Erstaunen versetzt, aber natürlich umso mehr gefreut, du kannst es dir denken.

Küsschen

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